Storage. Backup. Virtualisierung.
LANfree Backup · Version 1.10 · © Stor IT Back 2026
Bei einem LANfree Backup werden die Sicherungsdaten nicht über das produktive LAN zum Backup-Server übertragen. Stattdessen erfolgt der eigentliche Datentransport über ein separates Storage-Netzwerk beziehungsweise ein Storage Area Network (SAN), beispielsweise über Fibre Channel oder iSCSI. Dadurch lässt sich das Produktionsnetz entlasten und gleichzeitig ein hoher, konstanter Datendurchsatz für Backup und Recovery erreichen. Besonders bei großen Datenmengen, virtualisierten Umgebungen und schnellen LTO-Tape-Laufwerken kann LANfree Backup die Sicherungsfenster deutlich verkürzen.
Ein klassisches Netzwerk-Backup überträgt die Daten eines Servers zunächst über das LAN zum Backup- beziehungsweise Media-Server. Dieser verarbeitet die Daten und schreibt sie anschließend auf das Sicherungsziel. Bei vielen Servern oder großen Datenmengen kann dadurch ein erheblicher Teil der verfügbaren Netzwerkbandbreite durch die Datensicherung belegt werden.
Beim LANfree Backup wird der eigentliche Datenstrom deshalb auf einen anderen Transportweg verlagert. Quelle und Sicherungsziel sind beispielsweise über Fibre Channel oder iSCSI an dasselbe SAN angebunden. Die Backup-Software koordiniert weiterhin die Sicherung, der umfangreiche Datentransport muss jedoch nicht über das produktive LAN erfolgen.
LANfree bedeutet damit nicht, dass überhaupt kein Netzwerk benötigt wird. Steuerung, Metadaten, Authentifizierung und Kommunikation zwischen den beteiligten Komponenten können weiterhin über das LAN erfolgen. Entscheidend ist, dass der große Datenstrom der Sicherung über das Storage-Netzwerk transportiert wird.
Die wesentlichen Vorteile einer LANfree-Sicherung liegen in der Entlastung des Produktionsnetzes und in der Möglichkeit, hohe und möglichst konstante Datenraten zwischen Backup-Quelle und Backup-Ziel zu erreichen.
Moderne Datensicherungen in heterogenen Umgebungen erfordern zentral automatisierte und überwachte Abläufe. Dies vereinfacht die Administration und erhöht die Betriebssicherheit. Ohne LANfree-Technologie bedeutet eine zentrale Sicherung jedoch häufig, dass sämtliche Backup-Daten über das produktive Netzwerk zum Backup-Server übertragen werden. Dieser schreibt die Daten anschließend auf Tape, Festplatte oder ein anderes Sicherungsziel, verwaltet die Sicherungen und steuert gegebenenfalls die Tape-Library.
Die Zentralisierung von Steuerung und Überwachung ist damit erreicht. Während eines Backup- oder Recovery-Vorgangs kann das produktive LAN jedoch erheblich belastet werden. Gleichzeitig laufende Anwendungen müssen sich die verfügbare Bandbreite mit den Sicherungsdaten teilen.
Viele Unternehmen verwenden deshalb ein eigenes Backup-Netz. Dabei werden Produktions- und Backup-Datenverkehr voneinander getrennt. Ein solches Backup-LAN verhindert zwar die Belastung des produktiven Netzes, ist technisch aber noch kein klassisches LANfree Backup. Der Datentransport erfolgt weiterhin über Ethernet und ein IP-Netzwerk.
Ein 1-Gbit/s-Ethernet-Netz bietet theoretisch maximal 125 MB/s. Der praktisch nutzbare Durchsatz liegt aufgrund von Ethernet-, IP-, TCP- und Protokoll-Overhead darunter. Für aktuelle Tape-Laufwerke kann diese Datenrate deutlich zu niedrig sein.
Moderne LTO-Laufwerke erreichen native Transferraten von bis zu etwa 400 MB/s pro Laufwerk. Bereits LTO-6 erreicht bis zu 160 MB/s nativ. Damit wird deutlich, dass die gesamte Datenstrecke – vom Quellspeicher über das SAN bis zum Tape-Laufwerk – ausreichend leistungsfähig dimensioniert sein muss.
Tape-Laufwerke arbeiten besonders effizient, wenn ihnen ein kontinuierlicher Datenstrom zur Verfügung steht. Moderne Laufwerke können ihre Schreibgeschwindigkeit innerhalb bestimmter Grenzen an den gelieferten Datenstrom anpassen. Dieses Verfahren wird als Speed Matching bezeichnet.
Fällt die Datenrate jedoch dauerhaft unter die vom Laufwerk benötigte Mindestgeschwindigkeit, muss der Schreibvorgang unterbrochen werden. Das Laufwerk positioniert das Band neu und setzt den Schreibvorgang anschließend fort. Dieser Vorgang wird häufig als Backhitch bezeichnet.
Häufige Backhitch-Zyklen reduzieren den effektiven Durchsatz erheblich und erhöhen die mechanische Beanspruchung von Laufwerk und Medium. Eine überraschend niedrige Backup-Performance kann deshalb auch dann auftreten, wenn die theoretische Netzwerkbandbreite zunächst ausreichend erscheint.
Für Tape-Backup ist daher nicht nur die maximale Bandbreite entscheidend. Auch die kontinuierlich lieferbare Datenrate der Quelle, des Storage-Systems, des SANs und des Backup-Servers muss berücksichtigt werden.
Für ein klassisches LANfree Backup müssen mehrere Komponenten zusammenarbeiten. Entscheidend ist nicht allein die vorhandene SAN-Infrastruktur, sondern auch die Unterstützung durch die eingesetzte Backup-Software.
Bei Tape-Umgebungen ist die Koordination besonders wichtig: Mehrere Server dürfen nicht gleichzeitig unkontrolliert auf dasselbe Laufwerk oder dasselbe Bandmedium schreiben. Diese Steuerung übernimmt die Backup-Software beziehungsweise der zentrale Backup- oder Media-Server.
Fibre Channel ist eine klassische Technologie für LANfree Backup. Server, Backup-Server beziehungsweise Media-Server und Tape-Library können über ein Fibre-Channel-SAN miteinander verbunden werden.
Die Backup-Software steuert, welcher Server beziehungsweise Media-Server zu welchem Zeitpunkt auf ein Laufwerk zugreifen darf. Die eigentlichen Sicherungsdaten können anschließend direkt über Fibre Channel zum Tape-Laufwerk transportiert werden.
Ein zentraler Backup-Server kann dabei weiterhin Server über das normale LAN sichern, die nicht in das SAN integriert sind. LANfree- und klassische Netzwerk-Backups können somit innerhalb derselben Backup-Umgebung parallel genutzt werden.
Die LANfree-Funktionen vieler Backup-Lösungen erfordern spezielle Lizenzen oder zusätzliche Media- beziehungsweise SAN-Komponenten. Diese sind häufig teurer als einfache Netzwerk-Clients, ermöglichen dafür aber den direkten und wesentlich leistungsfähigeren Zugriff auf die Backup-Ressourcen.
Auch Tape-Libraries beziehungsweise Tape-Laufwerke mit SAS-Anschluss lassen sich über entsprechende Bridges an andere SAN-Technologien anbinden. Beispielsweise können SAS-to-Fibre-Channel- oder SAS-to-iSCSI-Bridges die erforderliche Protokoll- und Signalumsetzung übernehmen.
Sind die vorhandenen Backup-Fenster dauerhaft zu klein, kann der Aufbau eines Fibre-Channel-SANs allein für Backup-Zwecke sinnvoll sein. Besteht ohnehin Bedarf an zentralem Block-Storage, lassen sich Storage- und Backup-Infrastruktur häufig gemeinsam planen.
Die Anbindung über Fibre Channel ist nicht die einzige Möglichkeit für LANfree Backup. Auch iSCSI kann für den Transport der Sicherungsdaten über ein separates Storage-Netzwerk eingesetzt werden.
Für aktuelle LTO-Laufwerke ist in der Praxis in der Regel eine Anbindung über 10-Gbit/s-Ethernet oder schneller sinnvoll. Ein einzelner 1-Gbit/s-Link kann den Datenstrom moderner Tape-Laufwerke nicht auslasten und stellt damit einen deutlichen Flaschenhals dar.
Beim Sizing muss außerdem berücksichtigt werden, dass Daten unter Umständen gleichzeitig vom zentralen Storage über das SAN gelesen und zum Tape-Laufwerk geschrieben werden. Dadurch können an einzelnen Netzwerkports, Switches oder Storage-Controllern höhere Datenraten auftreten als die reine Schreibgeschwindigkeit des Tape-Laufwerks vermuten lässt.
Native iSCSI-Schnittstellen sind bei aktuellen Tape-Libraries und Tape-Laufwerken vergleichsweise selten. Häufiger werden Fibre Channel oder SAS eingesetzt. Soll eine SAS-basierte Tape-Library über iSCSI angebunden werden, kann eine externe iSCSI-to-SAS-Bridge eingesetzt werden.
Ob Fibre Channel oder iSCSI die bessere Lösung ist, hängt von der bestehenden Infrastruktur, der erforderlichen Performance, der Anzahl der Laufwerke und den unterstützten Schnittstellen der Backup-Komponenten ab.
Festplattenbasierte Backup-Systeme werden häufig eingesetzt, um kurze Backup-Fenster und schnelle Restore-Zeiten zu erreichen. Eine besondere Form ist die Virtual Tape Library (VTL). Dabei emuliert ein Festplattensystem gegenüber der Backup-Software Tape-Laufwerke, Slots und Bandmedien.
Eine VTL kann sich dadurch ähnlich wie eine physische Tape-Library in bestehende Backup-Umgebungen integrieren lassen. Unterstützt das System eine SAN-Anbindung, ist auch ein LANfree-Datentransport möglich.
Ein echtes Disk-to-Disk-Backup über Block-Storage ist komplexer. Mehrere Server dürfen nicht ohne Koordination gleichzeitig schreibend auf dasselbe Dateisystem zugreifen. Für solche Architekturen sind daher spezielle Mechanismen erforderlich, beispielsweise ein SAN-Dateisystem, Cluster-Dateisystem, Locking-Funktionen oder eine durch die Backup-Software koordinierte Storage-Nutzung.
Moderne Backup-Produkte setzen häufig auf Backup-Proxys beziehungsweise Media-Server, die über das SAN direkt auf die Quelldaten zugreifen und die Sicherung anschließend auf ein ausschließlich von ihnen verwaltetes Disk-Repository schreiben.
Wird als Backup-Ziel ein Fileserver oder NAS verwendet, kann ein separates 10-, 25- oder schnelleres Ethernet-Netz das produktive LAN vollständig vom Backup-Verkehr entlasten. Der Zugriff erfolgt beispielsweise über SMB oder NFS.
Diese Architektur erfüllt funktional viele Ziele einer LANfree-Lösung, ist im klassischen Sinn jedoch eher ein separates Backup-LAN als ein SAN-basiertes LANfree Backup.
Auch in virtualisierten Umgebungen lässt sich der Backup-Datenstrom vom produktiven Netzwerk fernhalten. Ein Backup-Proxy oder Backup-Server kann dazu direkten Zugriff auf die Storage-Bereiche erhalten, in denen die virtuellen Maschinen gespeichert sind.
In VMware-Umgebungen ist beispielsweise ein SAN-basierter Transport möglich, bei dem ein Backup-Proxy direkt auf die entsprechenden Storage-LUNs beziehungsweise Datastores zugreifen kann. Der ESXi-Host muss die großen Sicherungsdatenströme dann nicht über sein Management- oder Produktionsnetz an den Backup-Server übertragen.
Abhängig von Backup-Produkt, Hypervisor und Storage-System existieren vergleichbare Konzepte auch für andere Virtualisierungsplattformen. Die konkrete Umsetzung sollte deshalb immer anhand der unterstützten Transportmodi der eingesetzten Backup-Software geplant werden.
LANfree und Serverless Backup sind dabei eng verwandte, aber nicht vollständig identische Begriffe. Bei serverlosen beziehungsweise Storage-basierten Verfahren kann die Datenbewegung teilweise noch stärker durch Storage- oder SAN-Komponenten übernommen werden.
| Verfahren | Typischer Datenweg | Produktives LAN | Typische Technologie |
|---|---|---|---|
| Klassisches Netzwerk-Backup | Client → LAN → Backup-Server → Backup-Ziel | wird belastet | Ethernet, TCP/IP |
| Separates Backup-LAN | Client → Backup-Netz → Backup-Server | wird kaum beziehungsweise nicht belastet | Ethernet, SMB, NFS oder Backup-Protokoll |
| LANfree Backup | Quelle → SAN → Backup-Ziel | großer Datenstrom läuft nicht über das Produktions-LAN | Fibre Channel oder iSCSI |
| Serverless / Storage-basierter Transport | Storage → Storage beziehungsweise Backup-Ziel | wird kaum beziehungsweise nicht belastet | Storage-, Snapshot- oder SAN-Funktionen |
In der Praxis überschneiden sich die Begriffe teilweise. Entscheidend für die Planung ist deshalb weniger die Bezeichnung als die Frage, welchen Weg die eigentlichen Backup-Daten nehmen und welche Komponenten dabei belastet werden.
LANfree Backup ist besonders interessant, wenn große Datenmengen innerhalb eines begrenzten Sicherungsfensters übertragen werden müssen oder wenn das produktive Netzwerk durch die Datensicherung nicht belastet werden darf.
Typische Einsatzszenarien sind:
Bei kleineren Datenmengen kann dagegen ein separates, ausreichend schnelles Ethernet-Backup-Netz wirtschaftlich sinnvoller sein. Eine LANfree-Architektur sollte daher immer gemeinsam mit Backup-Software, Storage, Netzwerk und Sicherungsziel betrachtet werden.
Bei einem LANfree Backup werden die eigentlichen Sicherungsdaten nicht über das produktive LAN zum Backup-Server übertragen. Der Datenstrom läuft stattdessen beispielsweise über ein Fibre-Channel- oder iSCSI-SAN direkt zwischen den beteiligten Storage- und Backup-Komponenten.
LANfree Backup entlastet das produktive Netzwerk und ermöglicht hohe und möglichst konstante Datenraten. Dadurch können sich insbesondere bei großen Datenmengen und schnellen Tape-Laufwerken die Backup- und Restore-Zeiten reduzieren.
Benötigt werden eine geeignete Backup-Software, eine unterstützte SAN-Infrastruktur, passende Schnittstellen an Quelle und Backup-Ziel sowie eine ausreichend leistungsfähige Datenstrecke. Die Backup-Software muss außerdem die Zugriffe auf Laufwerke, Medien und Storage-Ressourcen koordinieren.
Bei einem separaten Backup-LAN werden die Daten weiterhin über Ethernet und ein IP-Netzwerk übertragen, allerdings getrennt vom Produktionsnetz. Bei klassischem LANfree Backup erfolgt der große Datenstrom dagegen über ein Storage-Netzwerk beziehungsweise SAN, beispielsweise Fibre Channel oder iSCSI.
Ja. Voraussetzung ist, dass die beteiligten Komponenten beziehungsweise die eingesetzte Bridge und die Backup-Software die entsprechende Architektur unterstützen. Für aktuelle Tape-Laufwerke ist in der Praxis meist 10-Gbit/s-Ethernet oder schneller sinnvoll.
Ja, abhängig von der eingesetzten Backup- und Storage-Architektur. Mehrere Systeme dürfen jedoch nicht unkoordiniert auf dasselbe Block-Dateisystem schreiben. Möglich sind beispielsweise VTL-Systeme, SAN-Dateisysteme, Cluster-Dateisysteme oder durch die Backup-Software koordinierte Proxy- und Media-Server-Konzepte.
Ein Backup-Proxy kann je nach Hypervisor, Storage-System und Backup-Software direkten Zugriff auf die Storage-Bereiche der virtuellen Maschinen erhalten. Dadurch muss der große Backup-Datenstrom nicht über das Management- oder Produktionsnetz des Hypervisors transportiert werden.
LANfree Backup lohnt sich vor allem bei großen Datenmengen, kurzen Sicherungsfenstern, schnellen Tape-Laufwerken, bestehenden SAN-Infrastrukturen oder wenn das produktive Netzwerk konsequent vom Backup-Verkehr entlastet werden soll.



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