Die technische Grundlage für jedes Fibre Channel SAN (Storage Area Network) ist der "Fibre
Channel-Protokoll-Standard", richtig bezeichnet als "Fibre Channel Physical
and Signaling Interface". Fibre Channel ist kein Kabel-Typ, es ist nicht zu
verwechseln mit Fiber (=Glasfaser). Das Fibre Channel Protokoll kann auch über
Kupferleitung mit elektrischen Signalen übertragen werden. Trotzdem hat
sich der Begriff Fibre Channel auch für (LWL-) Kabel, Geräte und Verbindungen
eingebürgert.
Welche Anforderungen werden bzw. wurden an Fibre Channel gestellt? In der Entwicklungszeit
war das parallele SCSI die gebräuchlichste Übertragungsart für
Daten. Die Geschwindigkeit sollte deutlich übertroffen werden und auch
eine hohe Reserve für Verbesserungen bieten. Also musste es ein serielles
Protokoll werden und es sollten sich weitere Entfernungen als mit SCSI überbrücke
lassen. Wichtig war weiter auch eine möglichst geringe Zahl von Übertragungsfehlern,
da die Korrekturen immer zu Verzögerungen führen. Und Verzögerung
sind im Speicherbereich nicht gut, also musste auch die Latenzzeit gering gehalten
werden. Eine wichtig Anforderung war auch die Entlastung der Server-CPU, das
FC-Protokoll sollte möglichst in eigener Hardware (den Host-Bus-Adaptern)
laufen. Also die Vorteile von SCSI weiter ausbauen und alle Begrenzungen möglist
umgehen.
Schauen wir uns hier jetzt die Theorie zum Fibre Channel an. Das Fibre Channel
(Protokoll) ist nach einem Schichtenmodell aufgebaut, ähnlich dem OSI-Modell.
Es gibt die Schichten FC 0 bis FC 4.
Dies ist die unterste Schicht und bezeichnet die physikalischen Schnittstellen. Dies sind Geschwindigkeit, Medium (Kabel und Stecker), Übertragungstyp und Entfernung. Mit den Kurzformen dieser Schnittstellenbezeichnungen werden physikalische Verbindungen beschrieben.
| Geschwindigkeit | Kurzform |
| 800,0 MB/s | 800 |
| 400,0 MB/s | 400 |
| 200,0 MB/s | 200 |
| 100,0 MB/s | 100 |
| Medium | Kurzform | Erweiterung |
| Single-Mode Fibre 9 µm | SM | OS1 |
| Multi-Mode Fibre 50 µm | M5 | OM2 |
| Multi-Mode Fibre 50 µm | M5 | OM3 |
| Multi-Mode Fibre 62,5 µm | M6 | OM1 |
| Twisted Pair Cable | TP |
| Übertragungstyp | Kurzform |
| Longwave Laser | LL |
| Shortwave Laser w | SL |
| Shortwave Laser n | SN |
| Longwave Lightemitter Diode | LE |
| Electrical | EL |
| Entfernung | Kurzform |
| Long | L |
| Intermediate | I |
| Short | S |
Anmerkung: Die Längenbegrenzungen der einzelnen Medien bei unterschiedlichen Übertragungsraten finden Sie beim Thema SAN.
Jede mögliche physikalische Übertragung kann jetzt beschrieben werden:
800-M5-SL-S
Dies ist eine 50 µm
multi-mode Fibre Verbindung mit Shortwave Laser und 800 MB/s Übertragungsrate.
Zum größten Teil werden optische Verbindungen verwendet, sie ermöglichen
größere Übertragungsentfernungen. Jedoch sind sie gegenüber mechanischen
Einflüssen nicht so widerstandsfähig wie die elektrischen Verbindungen.
Ein Einklemmen in der Tür quittieren optische Kabel meist mit Ausfall oder
Störungen.
Jede Fibre Channel Verbindung besteht immer aus 2 Wegen, einmal die Read-
und zum anderen die Write-Leitung. Die Daten werden also "full duplex" Übertragen.
Damit ist dann immer die theoretisch doppelte Übertragungsrate möglich.
Wichtig ist gerade bei "Verlegekabeln" zwischen Räumen oder Gebäuden,
dass pro Verbindung immer zwei Fasern benötigt werden. Die IT rechnet meist
in Verbindungen, die Installateure aber in Fasern. Dies kann schnell zu einem
Mangel an Fasern führen.
In der Fibre Channel Terminologie wird ein Gerät als Konten bezeichnet. Dies kann zum Beispiel ein Host-Bus-Adapter in einem Server sein. Dieser Host-Bus-Adapter besitzt einen Port oder auch mehrere. Wie auch im LAN-Bereich besitzt jeder Knoten einen eindeutigen Namen, die WWN (World Wide Name). Da ein Knoten mehrere Ports besitzen kann, hat dieser auch einen eindeutigen Namen, die WWPN (World Wide Port Name). Diese Name setzen sich aus 64-Bit-Schlüssel zusammen, allerdings werden diese WW(P)N's nicht zur Datenübertragung verwendet. Unterschieden werden auch noch die Grundfunktionen der einzelnen Ports. Sie werden je nach ihren Möglichkeiten bezeichnet.
Bezeichnung
Port-Typ
Funktion
E_Port
Expansion_Port
Port eines Switches, an dem ein
anderer Switch angeschlossen wird
TE_Port
Truncing-Expansion_Port
zusammengefasste Ports eines Switches, an dem ein
anderer Switch angeschlossen wird
F_Port
Fabric_Port
Port eines Switches, an dem ein
Knoten via Point to Point angeschossen ist
FL_Port
Fabric_Loop_Port
Port eines Switches, an dem
Knoten via Fibre Channel Arbitrated Loop angeschossen werden
G_Port
Generic_Port
entweder E_Port oder
N_Port
N_Port
Node_Port
Port, an dem ein Knoten via Point
to Point (z.B. an einen Switch) angeschlossen wird
NL_Port
Node_Loop_Port
Port eines Knotens in einer Fibre
Channel Arbitrated Loop
TL_Port
Translation_Port
Port zur Kommunikation zwischen Switch und Private Loop (veraltet)
U_Port
Universal_Port
Port, an dem alle anderen
Porttypen angeschlossen werden können
Die Verschlüsselung von Daten verbessert die Sicherheit eines seriellen
Übertragungsvorganges. Immer 8 Bit werden vor dem Versand in 10 Bit-Werte
verschlüsselt, die Methode wird danach 8b/10b-Verschlüsselung genannt.
Weiterhin versucht diese Verschlüsselung immer ein Gleichgewicht zwischen
Einsen und Nullen zu halten. Ein Unterschied in diesen Werten in einem übertragenen
Wort wird durch die Kontrollfunktion "Disparity Character" angegeben. Diese
und andere Verfahren ermöglichen eine große Sicherheit der Übertragung
bei sehr geringem Overhead. Der Nutzdateninhalt bei einer Übertragung ist
sehr hoch und damit können über Fibre Channel, bei gleicher Geschwindigkeit,
mehr Daten übertragen werden als bei Ethernet. Dies beantwortet auch die
Frage, warum ein neues Übertragungsmedium entwickelt wurde und nicht einfach
ein SAN mit Ethernet und TCP/IP aufgebaut wurde.
Die 10 Gbit/s bzw. 20 Gbit/s Inter-Switch-Links arbeiten nach der 64b/66b Codierung,
es werden als 64 Bit in 66 Bit "verpackt". Dieses geänderte Verfahren
hat man auch für die 16 Gbit/s Version verabschiedet. Es soll aber trotzdem
mit den 8 bzw. 4 Gbit/s Fibre Channel kompatibel sein.
Weiterhin wird in FC 1 das "Link Control Protocol" definiert. Es sind
die Steuersignale der Übertragung, für Initialisierung und Verwaltung
des Links. Die sogenannten Ordered Sets beginnen immer mit der gleichen speziellen
Bitfolge, die sonst in der Übertragung von Daten nicht vorkommt. Das K28.5
Zeichen signalisiert also immer ein Steuerpaket und ist damit für alle
Komponenten sehr einfach zu entdecken.
Diese Schicht steuert die Struktur und Definition der Informationen und ist damit die umfangreichste Schicht. Sie ist in vier Klassen aufgeteilt
| Login Session |
| Exchange |
| Sequenz |
| Frame |
Bevor Nutzdaten zwischen zwei Geräten ausgetauscht werden können, müssen diese beiden Ports erst einmal Informationen über ihren Status austauschen. Ist dieser Login erfolgreich, so bleibt eine Kommunikation bis zu einem Logout bzw. Abbruch der Verbindung möglich. Natürlich kann ein Gerät auch Sessions mit verschiedenen anderen Knoten zur gleichen Zeit aufrechterhalten. Nach diesem Login sind also Adressen der Knoten und Ports und die Übertragungscharakeristika ausgetauscht. Zur Verwaltung der Adressen in einem Fabric, es sind bis zu 15,6 Millionen Geräte denkbar, nutzt der Switch einen "Simple Name Server", eine Datenbank, in der alle Informationen gespeichert werden.
Bei jeder Datenübertragung zwischen zwei Ports wird auch ein Exchange gestartet, um die Operation zu steuern und zu kontrollieren. Für jedes Übertragungsprotokoll sind spezielle Exchanges, auch "Information Units" genannt, vorhanden. Ein Port kann mehrere Exchanges zur gleichen Zeit nutzen, damit wird die Auslastung effizienter.
Durch die Übertragung sehr großer Datenmengen muss die optimale Größe von Datenpaketen angepasst werden. Jedoch ist diese Menge auf 2.148 Byte pro Paket geschränkt. Es lassen sich bis zu 65.536 dieser Pakete (Frames) zu einer Sequenz zusammenfassen. Diese Frames innerhalb einer Sequenz werden nicht unbedingt in der richtigen Reihenfolge übertragen, sie enthalten relative Adressen zur Encodierung.
Frames sind eine Untereinheit der Sequenz. Die Nutzdaten werden in Frames verpackt,
mit einem Start- und Stop-Delimiter, einem Header und einer Checksumme (CRC)
versehen und können dann verschickt werden. Durch die Optimierung erreicht
man ein Verhältnis von Nutzdaten zu Protokoll-Overhead von bis zu 98%.
Das CRC Verfahren im Frame erkennt alle Fehler, wenn das Transportmedium die
vorgegebene Fehlerrate einhält. Wird ein Fehler erkannt, so wird nicht
nur das betroffene Frame erneut gesendet, sondern die ganze Sequenz mit den
enthaltenen Frames. Damit muss der einzelne fehlerhafte Frame nicht umständlich
an die richtige Reihenfolge in der Sequenz einsortiert werden.
Es gibt zurzeit noch keine Definitionen für diese Funktion. Gedacht sind Datenverschlüsselung, Datenkomprimierung, Striping und Multipathing. Soweit heute schon verfügbare Funktionen werden unabhängig von dieser Schicht bereitgestellt.
Diese Schicht beschreibt wie die "Upper Level Protokolle", wie z.B. SCSI oder
Ficon Fibre Channel nutzen können. Dies ist ein Übersetzer, welcher
aber auch spezielle Funktionen steuern kann. So muss zum Beispiel das "half
duplex" Protokoll SCSI auf das "full-duplex" Verfahren von Fibre Channel umgesetzt
werden. Auch können "Classes of Service" für einzelne Gruppen festgelegt
werden.
In der Praxis übernimmt die FC 4 Schicht die Übersetzung von SCSI
auf FCP. Damit wurde bei der Entwicklung von Fibre Channel der "Konnektor"
zur alten SCSI Welt hergestellt. Das Betriebssystem erkennt also die Fibre Channel
Devices als normale SCSI Geräte und kann mit dem schon vorhandenen und
bewährten SCSI-Subsystem arbeiten. Es sind wesentlich weniger Anpassungen
in den Betriebssystemen notwendig gewesen. Sicherlich auch ein Erfolgsbaustein
für die schnelle und unkomplizierte Integration von Fibre Channel.
![]() Übersicht |
![]() nach oben |
![]() Angebote |
Kontakt |
![]() Suche |
![]() Navigation |