Server-Virtualisierung - Einführung V1.4 (c) Stor IT Back 2010

Einführung Server-Virtualisierung

Viele Anwendungen lasten die neuste Server-Hardware nicht mehr aus. Gerade Prozessoren arbeiten in vielen Servern nur mit wenigen Prozent Auslastung. Es werden aber meist eigene Server für jede Anwendung benötigt, die einzelnen Anwendungen beeinflussen sich bzw. die Hersteller geben keinen Support, wenn zusätzliche andere Programme auf dem gleichen Betriebssystem laufen. Aber ein einfacher Server ist auch nicht ausreichend, die Verfügbarkeit der Hardware darf ja auch bei kleinen aber wichtigen Anwendungen nicht leiden. Also wird für jede Anwendung ein teurer (überdimensionierter) Server angeschafft, geschützt mit einem zusätzlichen Wartungsvertrag. Dieser Server muss natürlich genauso administriert werden, als wäre er gut ausgelastet. Auch die Überwachung der Hardware nimmt zusätzliche Zeit in Anspruch.
Die Lösung ist also nicht, einfach verschiedene Anwendungen auf ein Betriebssystem zusammenzufassen. Es muss eine Trennung zwischen Anwendungen geschaffen werden, jede braucht ihr eigenes Betriebssystem, aber nicht unbedingt eine eigene Hardware.
Und genauso ist die Lösung der Server-Virtualisierung, man nimmt eine gemeinsame Hardware, lässt darauf aber mehrere unabhängige Betriebssysteme laufen. Hierfür stellt die Virtualisierungssoftware quasi mehrere virtuelle Rechner innerhalb der gleichen Hardware zur Verfügung. Ein Betriebssystem innerhalb dieser Virtualisierungssoftware verhält sich genauso, als wäre es direkt auf einem Server installiert. Es "sieht" Festplatten, Hauptspeicher, CPU(s), Netzwerkkarten und weitere I/O-Bausteine.

Server-Virtualisierung und Green-IT

Der Ansatz der Green-IT ist den Stromverbrauch im Rechenzentrum zu verringern. Wenn also viele physikalische Rechner auf einem virtuellen Server laufen, dann kann eine Menge Energie eingespart werden. Einmal die reine Versorgung der Systeme mit Strom. Das eine große System wird natürlich stärker belastet und verbraucht auch Energie, die vielen "kleinen" Server brauchen aber auch bei geringer CPU-Last viel mehr Energie. Können zehn kleine Server auf einen großen virtualisiert werden, so kann durchaus 80% der Energie eingespart werden.
Und ein weiteres Einsparpotential kommt hinzu. Wenn weniger Energie zur Versorgung benötigt wird, so wird auch die Abwärme geringer. Damit reduziert sich zusätzlich auch der Aufwand für die Klimatechnik, auch dort kann Energie und damit auch Kosten gespart werden.
Damit wird die Server-Virtualisierung zu einem wichtigen Baustein in der Green-IT.

Funktionsweise der Virtualisierungssoftware

Die Virtualisierungssoftware stellt jedem virtuellen Server eine komplette Hardware-Umgebung zur Verfügung. Es gibt eine Festplatte an einem virtuellen SCSI-Controller, eine virtuelle CDROM und eine virtuelle Netzwerkkarte. Über die CDROM kann wie gewohnt das Betriebssystem auf der virtuellen Festplatte installiert werden. Der Bildschirm wird über eine Anwendung dem Administrator zur Verfügung gestellt. Es wird also auch kein zusätzlicher Bildschirm oder KVM-Switch pro virtuellen Server benötigt, zusätzliche Kostenersparnis. Meist gibt es auch die Möglichkeit, physikalische Hardware direkt einem virtuellen System zur Verfügung zu stellen. Somit kann eine eigene exklusive Netzwerkkarte genutzt werden oder ein direkter Zugriff auf Festplatten, Bandlaufwerke und RAID-Systeme ermöglicht werden.
Ein großer Vorteil dieser Technologie ist die Unabhängigkeit der virtuellen Rechner von der tatsächlich vorhandenen Hardware. Es ist ja für das Betriebssystem des virtuellen Servers alles nur virtuell vorhanden, wird also von der Virtualisierungssoftware vorgegeben. Damit kann ein virtueller Server ohne Änderung seiner Konfiguration (Treiber) von einem physikalischen Rechner auf den anderen umziehen.
Sollte ein Hardware-Server an seine Leistungsgrenzen kommen, so wird ein zweiter installiert und ein virtueller Server zieht auf die neue Hardware um und entlastet die erste Hardware. Genauso beim Ausfall des physikalischen Servers. Es muss nur die Virtualisierungssoftware auf der neuen Hardware installiert werden, für die virtuellen Systeme beliebt alles gleich. Ein einfacher und sicherer Restore für das virtuelle Betriebssystem ist möglich.

VMware ESX (VSphere 4) / Microsoft Hyper-V / Citrix Xen Server 5

Diese drei Hersteller sind zurzeit die häufigsten Vertreter der Virtualisierungssoftware. Alle beherrschen natürlich die Virtualisierung von Betriebssystemen, bringen jedoch unterschiedliche Features und Ausstattungen mit. Und die unterscheiden sich ganz erheblich im Preis.

VMware ESX / ESXi / VSphere 4

Bei VMware handelt es sich um den Hersteller, der verschiedene Produkte anbietet. Dies gliedert sich in Desktop-Virtualisierung, Server-Virtualisierung als Addon auf bestehende Betriebssysteme und die Enterprise Lösung auf Basis der ESX / ESXi Server. Für professionelle Anwendungen wird die ESX Familie benötigt. Hierbei gibt es den ESX-Server, die kostenpflichtige Vollversion. Die ESX Software bringt Betriebssystem, Hypervisor und Administration mit. Die ESXi ist die "interne" Version des ESX. Installierbar auf einem USB-Modul oder auf Festplatten. Die ESXi als Standalone-Version ist kostenfrei, kann aber über Lizenzen in das VSphere eingebunden werden. VSphere ist die zentrale Management Software von VMware. Sie wird als Basis für viele weitere Features benötigt, wie zum Beispiel VMotion und VCB (die zentrale VMware ESX Backup-Lösung).

Microsoft Hyper-V

Bei Microsoft ist das Hyper-V eine Rolle im Windows 2008 Server. Es gehört also zur Grundausstattung eines Windows Servers der neuen Generation. Der Hyper-V Rolle kann auf einem Server neben weiteren Anwendungen laufen und zusätzlich auch noch Servervirtualisierung anbieten. Es kann aber auch als "einzige" Rolle auf einem Windows Core Server (ohne grafische Oberfläche) installiert werden. Die Administration muss in diesem Falle über einen anderen Windows 2008 Server (mit grafischer Oberfläche) oder einen Vista Client durchgeführt werden. Ideal ist Hyper-V für reine Windows-Umgebungen, aber auch im Bereich Linux zeigt sich Microsoft offen. Es wurde Open-Source-Code veröffentlich, der die Einbindung von Linux Gast-Systemen erleichtert.
Die Hyper-V Rolle im Windows 2008 benötigt die Virtualisierungsfunktionen im Prozessor.

Citrix Xen Server 5

Citrix nutzt das Open Source-Projekt Xen für die Virtualisierung. Anfänglich war Xen nur ein Paravirtualisierer, also ein Grundbetriebssystem mit darauf laufenden Teilbetriebssystemen. Mit den neuen Virtualisierungsfunktionen der AMD- und Intel-Prozessoren ist Xen jetzt auch ein Voll-Virtualisierer. Citrix vertreibt den Xen Server 5 gratis. Wie beim VMware VSphere gibt es auch bei Xen ein Verwaltungstool unter Windows, das XenCenter. Jedoch wird kein eigener Verwaltungsrechner benötigt, der erste Xen-Server übernimmt die Rolle des Masters und an diesen verbindet sich die XenCenter Software. Der Master stellt wiederum die Verbindung zu den anderen Xen-Servern im Verbund her.

Beispiel: Betrieb eines ESXi Servers

Sollen nur wenige Server virtualisiert werden, die auch keine Hochverfügbarkeit benötigen, so bietet sich unter anderem VMware ESXi an.

Vorplanung / Dimensionierung

Bei der Dimensionierung müssen die Grundwerte der physikalischen Maschinen erfasst werden und auf die Virtualisierungshardware umgerechnet werden. Das ist zum einen der Hauptspeicher. Eine Auslegung ist eigentlich nicht schwer: Den Hauptspeicher der zu virtualisierenden Server addieren und noch etwas RAM für den ESXi hinzurechnen. Wichtig sind hierbei ein gutes Augenmaß und noch Reserve für den späteren Ausbau einzuplanen. Ebenso beim Plattenplatz, auch dort müssen nur die physikalischen Mengen addiert werden, die ESXi Software braucht nur wenige Gigabyte zusätzlich. Schwieriger wird es bei der CPU. Hierbei kann die Auslastung der zu virtualisierenden Maschinen als Grundlage dienen. Es sollten dann genügend Reserven eingeplant werden, da sich ein Prozessor meist später nicht so einfach tauschen lässt.
Für den Plattenplatz sollte ein guter und zuverlässiger Hardware-RAID-Controller eingeplant werden, sowie gute und schnelle Server-Platten in der passenden Kapazität. Wichtig ist bei dem Server möglichst viele Hot-Plug fähig Hardware zu verbauen. Denn wer will schon alle virtuellen Systeme runterfahren, weil eine Platte getauscht werden muss.
Um die Verfügbarkeit zu erhöhen kann später ein zweiter ESXi Server aufgebaut werden und dann ein zentrales Speichersystem (Fibre Channel, iSCSI oder NFS) angeschafft werden. Damit können die virtuellen Maschinen entweder auf dem einen oder den anderen Server gestartet werden. Aber auch ohne zentralen Speicher ist ein guter Wartungsvertrag für den Server notwendig. Immerhin fallen jetzt mehrere Systeme aus, wenn die Hardware Probleme hat.

Installation der virtuellen Maschinen

Als erstes muss die VMware ESXi Software installiert werden. Diese benötigt wenige Gigabyte auf der Festplatte, der Rest wird für die virtuellen Maschinen formatiert. Über die Console muss die Grundkonfiguration vorgenommen werden, wie z.B. IP-Adresse und Passwort. Danach wird über einen Webbrowser der Administrationsclient heruntergeladen. Über diesen können dann weitere Konfigurationen vorgenommen und die ersten virtuellen Maschinen installiert werden.
Die Installation läuft wie bei einer physikalischen Maschine ab. Es wird von einer CD oder DVD gebootet, bei ESX kann es auch ein Image einer CD sein. Dann wird das Betriebssystem auf die definierte Festplatte installiert. Der Monitor wird über einen Software-KVM auf dem Administrationsclient angezeigt.

Datensicherung der virtuellen Maschinen

Die Datensicherung der virtuellen Betriebssysteme und Daten kann wie bei physikalischen Maschinen auch über einen Client der Backup-Software und dann über das Netzwerk erfolgen. Es können Agenten für Datenbanken und Anwendungen genutzt werden, die Backup-Strategie kann praktisch eins zu eins übernommen werden. Einen weiteren Vorteil hat aber die Virtualisierung noch. Das Betriebssystem liegt jetzt als Datei auf dem Filesystem des ESXi Servers. Kann dies nicht geschickt genutzt werden? Der ESXi Server bietet SnapShots der VMs an, jedoch gehen diese auch wieder auf die Festplatten des ESXi. Wie es aussieht ein geschlossenes System. Na ja, nicht so ganz. Auch die ESXi Version bietet eine Shell an mit einem SSH Zugang. Aber nicht so ohne weiteres und man verliert den Support (der ja bei der kostenfreien Version nicht dabei ist).
Ist der SSH Zugang freigeschaltet, so können Skripte auf dem ESXi installiert werden. Und dann kommt der Trick: VMware ESX und ESXi kann ja auch NFS Filesysteme einbinden und nutzen. Also müssen nur die Dateien der virtuellen Maschinen auf das NFS Filesystem kopiert werden und die Sicherung ist in einem zweiten Gerät vorhanden und kann zum Beispiel auf ein Band gesichert und ausgelagert werden.
Daraus kann ein einfaches aber sicheres Backupkonzept entwickelt werden. Die Sicherung der Daten und Anwendungen wird über eine zentrale Backup-Software realisiert. Es wird zum Beispiel am Freitag eine Vollsicherung und an den anderen Wochentagen eine inkrementelle Sicherung durchgeführt. Am Samstag werden die virtuellen Maschinen kurz heruntergefahren, ein SnapShot erstellt und dann dieser SnapShot auf das NFS-Filesystem geclont (kopiert). Jetzt sind also zwei Sicherungen vorhanden: Einmal die täglichen Daten und das wöchentliche System-backup.
Sollte jetzt der K-Fall eintreten und der VMware Server zerstört sein (inklusive der Festplatten), dann kann mit einem zweiten Server (genügend RAM und CPU-Ressourcen) die Clone der Betriebssysteme sogar direkt auf dem NFS-Speicher gestartet werden. Die Performance ist wahrscheinlich nicht so gut, aber die Maschinen laufen erstmal wieder. Allerdings mit dem Stand des letzten Wochenendes. Also noch die täglichen Sicherungen restoren und die Maschinen laufen wieder. Eine K-Fall Vorsorge, die sehr kostengünstig ist und sehr flexibel gestaltet werden kann und sich auch noch vollständig automatisieren lässt.
Eine genauere Beschreibung der Sicherung finden Sie hier.

Weiterführende Informationen zum Thema Datensicherung bei der Server-Virtualisierung und Performance-Tuning in virtuellen Umgebungen.

Zum Thema Server-Virtualisierung bieten wir verschiedene Workshops an. Einmal einen regelmäßig stattfindenden Einsteiger-Kurs mit Grundlagen und Lösungsvorschlägen und einen optional Workshop mit einem großen Praxisteil, die Virtualisierung zum Anfassen.

Für Virtualisierungsprojekte bieten wir die passenden Storage-Lösungen an, setzen Sie sich mit uns in Verbindung. Natürlich können Sie auch komplette Lösungen von uns bekommen. Egal zu welcher Virtualisierungssoftware, wir finden ein für Sie passendes Storagesystem.

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