Als erstes müssen die Begriffe ILM und HSM erklärt werden. Unter
ILM (Information Lifecycle Management) wird die Verwaltung der einzelnen Phasen
im "Leben" einer Datei verstanden. Eine Datei wird neu erstellt, ist
erstmal sehr wichtig und wird häufig genutzt. Später greifen die Anwender
nur noch selten auf die Datei zu, eventuell wird sie nie wieder genutzt, sie
wird einfach vergessen. Die Datei liegt aber auf einem Fileserver, dieser Fileserver
wird täglich gesichert und in jeder Vollsicherung werden auch selten genutzte
Dateien jedes Mal mitgesichert. Effektiver wäre es, wenn diese selten genutzten
Dateien erkannt und auf andere kostengünstige Medien verschoben werden
würden. Dies spart Speicherplatz auf dem Fileserver, reduziert Backup-Laufzeiten
und verkürzt möglich Recovery-Zeiten.
Wichtig wäre auch eine Erkennung, welche Dateien wichtig sind oder auch
speziell aufbewahrt werden müssen. Damit können dann auch gesetzliche
Vorgaben, z.B. für Buchhaltungsdaten, erfüllt werden.
Der Begriff HSM bedeutet "Hierarchisches Storage Management". In
der HSM-Welt gibt es für Daten unterschiedliche Speichermedien. Schnelle
und sichere Festplatten für wichtige und häufig genutzte Daten, langsame
Festplatten für selten genutzte und zum Beispiel Bandmedien für alte
und eigentlich unwichtige Daten. Für einen HSM müssen mindestens 2
Ebenen vorhanden sein, es können aber auch 5 oder 6 sein. Neben der Hardware
(Festplatten, NAS-Systeme, RAID-Systeme, Bandlaufwerke und verschiedene Medien)
wird auch noch eine Software zur Verwaltung benötigt.
Diese Software ist sehr wichtig, erstens wird über sie bestimmt, welche
Dateien nach welcher Zeit und in welchem Zustand auf andere Medien verschoben
werden. Aber mindestens genauso wichtig ist es, das der Endanwender seine Datei
trotzdem wieder findet, wenn er sie nach "Jahren" dann doch noch benötigt.
Und der Endanwender vermutet seine Datei immer noch dort, wo er sie abgelegt
hat. Deswegen verschiebt die HSM-Software nicht nur einfach, sondern hinterlässt
am Ursprung einen Eintrag, wo die Datei jetzt abgelegt ist.
Klickt der Anwender jetzt auf seine alte Datei, so schaltet sich die HSM-Software
dazwischen und sagt dem Betriebssystem wo die Datei wirklich liegt. Das Betriebssystem
holt sich die Datei dann vom NAS-System oder Bandlaufwerk und stellt sie dem
Anwender zur Verfügung. Der Anwender merkt also nicht einmal, außer
das es eventuell etwas länger dauert, das seine Datei nicht mehr dort ist,
wo er sie abgelegt hat.
Der Vorteil für die EDV ist aber, dass jetzt nur noch wichtige und wirklich
benötigte Dateien auf den teuren Festplatten liegen und damit auch gesichert
werden. Natürlich müssen auch die migrierten (verschobenen) Dateien
gesicht werden, aber nicht in jeder Vollsicherung. Es reicht ja völlig
aus, wenn sie ein- oder zweimal gesichert wurden und danach werden sie ausgeschlossen,
sie werden ja nicht verändert, da nur die HSM-Software Zugriff auf diese
Dateien hat.
Je nach Struktur der Daten können große Speicherbereiche auf den
Fileservern frei werden, Vollsicherungen lassen sich ohne Probleme in kürzerer
Zeit und weniger Aufwand durchführen und ein Full-Restore ist in kürzerer
Zeit erledigt. Gerade beim Full-Restore ergibt sich der Vorteil, dass die wirklich
benötigten Dateien viel schneller wieder verfügbar sind.
Wer braucht eine HSM-Lösung? Jeder der Plattenplatz auf
primären Fileservern sparen muss oder mit dem Zeitfenster bei Backup oder
Restore nicht mehr hinkommt. Also eigentlich alle, die große Datenmengen
möglichst kostengünstig und effektiv verwalten müssen.
Bei einer Archivierung werden Daten kopiert oder verschoben, aber nicht um
Speicherplatz frei zu bekommen, sondern um diese Dateien anders zu verwalten.
Am einfachsten ist die Archivierung bei Buchhaltungsdaten zu verstehen. Die
Buchungsdaten, sowie Rechnungen, Belege und Lieferscheine müssen 10 Jahre
aufbewahrt werden. Das ist erstmal kein Problem, bei einer Datensicherung wird
dann einfach die Sperrfrist auf 10 Jahre erhöht. Vom Gesetzt her wird aber
gefordert, das diese Daten (wenn sie archiviert sind) nicht verändert werden
dürfen. Und bei einem Backup gibt es dafür keinen Schutz, ich restore
eine Rechnung, verändere sie und sichere sie dann wieder. Dies merkt keiner.
Und bei einer rechtlich einwandfreien Archivierung darf dies nicht so sein.
Eine Veränderung darf nicht möglich sein, bzw. muss dann dokumentiert
werden.
Am einfachsten ist eine Archivierung auf eine CDROM, die Daten können nur
einmal geschrieben werden. Aber so richtig gesetzeskonform ist das noch nicht.
Wenn die Daten auf eine Festplatte kopiert werden und dann auf der Festplatte
verändert und später auf eine andere CDROM geschrieben werden, so
wird das kaum nachvollziehbar sein. Datum und Beschriftung der CDROM kann ja
jederzeit geändert werden.
Um das ganze jetzt gesetzeskonform zu bekommen, benötigt man eine Software,
die sämtliche Daten verwaltet und dokumentiert. Ist diese Software gesetzeskonform
und bleiben die Daten unter der Verwaltung dieser Software, so ist die Datenhaltung
(Archivierung) dann gesetzeskonform.
Wer braucht eine Archivierung? Jeder der Daten in elektronischer
Form verwaltet, an die besondere Anforderungen vom Datenschutz, Aufbewahrung
oder der Buchhaltung gestellt werden.
Wer nicht oder nur unsachgemäß archiviert, riskiert gravierende
Haftungsrisiken für Geschäftsleitung und IT-Administration. Grund
genug, die Archivierung nicht nur in technischer Hinsicht umzusetzen. Das Handelsgetzbuch
mit dem §238 verpflichtet Kaufleute zur Buchführung und Aufbewahrung
von Handelsbriefen. Als Handelsbriefe gelten alle Unterlagen, die zur Durchführung
und Abschluss eines Geschäftes dienen, also Angebote, Auftragsbestätigungen,
Lieferscheine und auch Reklamationsschreiben. Das lässt sich auf einem
Fileserver auch nicht unbedingt immer leicht identifizieren, aber noch schwerer
wird es, wenn die Unterlagen in einem E-Mail-System hinterlegt sind.
Für das Archivieren von diesen Daten gibt der §239 HGB folgendes vor:
"Die gespeicherten Dokumente müssen unveränderbar, reproduzierbar
und jederzeit verfügbar sein." Diese Vorgaben müssen von einer
elektronischen Archivierung erfüllt werden. Das schwierigste ist hierbei
die "Unveränderbarkeit", aber auch die Reproduzierbarkeit ist
nicht einfach zu realisieren. Wer kann schon garantieren, dass das gewählte
Format auch noch in 10 Jahren lesbar ist.
Auch im Steuerrecht müssen Kaufleute die Anforderungen an die Aufbewahrung
und die Prüfbarkeit erfüllen. Einzelheiten sind hierbei in den "Grundsätzen
zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen" (GDPdU)
enthalten. Ein wichtiger Punkt ist hierbei: Wurden Daten mit einem Datenverarbeitungssystem
erzeugt, so hat die Finanzbehörde das Recht, Einsicht zu nehmen und das
System zur Prüfung zu nutzen. Das bedeutet in der Praxis, das auch steuerlich
relevante E-Mails gesetzeskonform zu archivieren sind und den Betriebsprüfern
jederzeit verfügbar zu machen sind.
Welche Gefahren lauern, wenn diese Bestimmungen nicht eingehalten werden? Alleine
der Verlust der Vorsteuerabzugsberechtigung kann einen großen finanziellen
Schaden verursachen. Bei Verletzung der ordnungsgemäßen Buchführung
kann die Finanzbehörde eine Steuerschätzung durchführen (sicherlich
nicht zum Vorteil des Unternehmens) und Geld- und Freiheitsstrafen verhängen.
Im Falle eines Falles ist die Geschäftsleitung persönlich haftend,
aber auch leitenden IT-Mitarbeitern drohen Regressansprüche.
Der Begriff ILM beschreibt den gesamten Werdegang einer Datei. Hierzu gehören dann auch Faktoren wie die Archivierung oder eine Verwaltung durch eine HSM-Software. Aber auch das ganze normale Backup gehört zum Thema ILM. Auch hier werden Aufbewahrungsfristen und Löschkriterien festgelegt. Eine ILM-Lösung sollte sich also in vorhandene Umgebungen integrieren lassen. Trotzdem benötigen ILM-Produkte spezielle Umgebungen, die Unterstützung von Betriebssystemen und Anwendungen muss vorhanden sein und spezielle Hardware für eine gesetzeskonforme Archivierung muss unterstützt werden.
Eine professionelle Planung macht eine reibungslose Implementierung erst möglich.
Und nur dann lassen sich rechtliche Vorgaben erfüllen und Kosten einsparen.
Sehr wichtig sind hierbei, die geforderten Funktionalitäten und die vorhandene
Hardware zu berücksichtigen.
Eine recht umfangreiche Aufgabe, gerade für den Mittelstand. Und hier greift
eine Appliance ein, die sämtliche Aufgaben in diesem Gebiet übernehmen
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